Der Erbe von Hermès fordert 14 Milliarden Euro von LVMH: ein neuer Machtkampf in der Luxuswelt

Die Luxuswelt, oft als ein raffinierter und diskreter Kosmos wahrgenommen, wird erneut von einer außergewöhnlich umfangreichen Affäre erschüttert. Nicolas Puech, Erbe der Hermès-Dynastie und in der Schweiz ansässig, behauptet, eines gewaltigen Teils seines Vermögens beraubt worden zu sein: fast sechs Millionen Hermès-Aktien, die heute auf über 14 Milliarden Euro geschätzt werden.
Im Zentrum der Affäre stehen Vorwürfe der Enteignung, komplexe Finanzkonstruktionen, ein verstorbener Vermögensverwalter und der Schatten des Luxusgiganten LVMH unter der Führung von Bernard Arnault.
Diese neue Entwicklung markiert einen Wendepunkt in einer historischen Rivalität zwischen zwei französischen Luxusimperien. Hier ein detaillierter Rückblick auf die Hintergründe und die Bedeutung dieser außergewöhnlichen Affäre.
Nicolas Puech ist der Erbe im Zentrum des Falles.
Der heute 82-jährige Nicolas Puech gehört zur fünften Generation der Gründerfamilie von Hermès. Er lebt seit Langem zurückgezogen in der Schweiz und gilt als distanziert gegenüber den geschäftlichen Entscheidungen des Familienunternehmens und teilweise im Konflikt mit anderen Familienmitgliedern.
Er erbte einen bedeutenden Block Hermès-Aktien – ein direktes Vermächtnis seines Urgroßvaters, des Gründers des berühmten Hauses an der Rue du Faubourg-Saint-Honoré. Diese Aktien stellten mehrere Milliarden Euro dar und machten ihn zu einem der wohlhabendsten Mitglieder der Familie.
Jahrelang ließ er sein Vermögen von einem angesehenen Schweizer Experten verwalten: Eric Freymond, ein äußerst einflussreicher Vermögensverwalter – bis alles eskalierte.

Der Fall beruht auf einem Vorwurf der Enteignung: Nicolas Puech wirft seinem ehemaligen Vermögensverwalter vor, ihm seine Aktien entzogen zu haben.
Laut der am 15. Mai 2025 eingereichten Klage ist Puech der Ansicht, dass ihm sechs Millionen Hermès-Aktien von seinem früheren Verwalter entzogen wurden.
Der Wert der betroffenen Aktien
Diese Aktien entsprechen rund 5,76 % des Hermès-Kapitals, mit einem Wert von etwa 14,3 Milliarden Euro zum aktuellen Kurs. Ein Verlust von gewaltigem Ausmaß laut Puech ohne seine Zustimmung veräußert.
Die undurchsichtige Rolle von Eric Freymond
Die Vorwürfe richten sich hauptsächlich gegen Eric Freymond, der im Juli 2024 verstarb.
Vor seinem Tod war er im Rahmen eines Strafverfahrens, das Puech angestoßen hatte, unter gerichtliche Untersuchung gestellt worden.
Laut mehreren Erkenntnissen der Untersuchung:
- Komplexe Finanzstrukturen sollen den Transfer der Aktien ermöglicht haben,
• bestimmte Verkäufe sollen ohne Puechs Wissen erfolgt sein,
• rund 4,8 Millionen Aktien sollen bereits 2008 an LVMH verkauft worden sein, wie Medien von seinen Aussagen berichten.
Kurz vor seinem Suizid soll Freymond gegenüber französischen Ermittlungsrichtern eingeräumt haben, mehrere Verkäufe zugunsten von LVMH und somit Bernard Arnault organisiert zu haben.
LVMH und Bernard Arnault scheinen nach den bisherigen Erkenntnissen involviert zu sein.
LVMH wollte sich nicht zu dem Fall äußern. Doch die Untersuchung verweist auf eine besonders heikle Zeit: die verdeckte Übernahmeoffensive von LVMH gegen Hermès Anfang der 2010er Jahre ein legendäres Kapitel der französischen Finanzgeschichte.
Der Börsenangriff von 2010
Im Jahr 2010 erfuhr der Markt völlig überraschend, dass LVMH fast 17 % der Hermès-Anteile besaß – ohne die vorgeschriebenen öffentlichen Meldungen.
Die fehlenden Transparenzmeldungen lösten einen Schock in der Finanzwelt aus.
Die Familie Hermès reagierte sofort und gründete eine spezielle Holding, um die Kontrolle über das Unternehmen zu sichern und eine mögliche feindliche Übernahme zu verhindern.
Eine Rekordstrafe – aber von symbolischer Bedeutung
2013 wurde LVMH wegen mangelnder Transparenz zu einer Strafe von 8 Millionen Euro verurteilt.
Für die damalige Zeit hoch – doch im Vergleich zur finanziellen Macht des Konzerns eher gering.
Rückzug und milliardenschwerer Gewinn
2014 zog sich LVMH schließlich vollständig aus dem Hermès-Kapital zurück – mit einem Gewinn von rund 2,4 Milliarden Euro.
In diesem Kontext stellt sich heute eine zentrale Frage:
Waren die angeblich von Freymond verkauften Aktien Teil dieser geheimen offensiven Beteiligungsstrategie?
Noch gibt es keinen öffentlichen Beweis – doch Puechs Klage könnte neue Erkenntnisse ans Licht bringen.
Die Affäre geht weit über eine rein finanzielle Frage hinaus.
Der Rechtsstreit ist weit mehr als ein Vermögenskonflikt. Es handelt sich um einen Konflikt um Hermès-Aktien.Er wirft ein Licht auf:
- die Herausforderungen der Nachfolge in großen Luxusdynastien,
• die historische Rivalität zwischen zwei französischen Giganten,
• die Macht der globalen Luxusindustrie,
• die Risiken der Verwaltung gewaltiger Familienvermögen.
Hermès: ein einzigartiges Familienimperium
Hermès ist eines der letzten großen Luxusunternehmen, das mehrheitlich von der Gründerfamilie kontrolliert wird. Diese besondere Struktur verstärkt die Bedeutung der Aktien als Familienerbe, das über Generationen weitergegeben wird.

LVMH: eine Strategie des ehrgeizigen Wachstums
LVMH verfolgt seit Jahrzehnten eine äußerst aktive Expansionspolitik. Seine Geschichte ist geprägt von spektakulären Übernahmen, die Bernard Arnault zu einem der strategisch stärksten Führungspersönlichkeiten der Luxuswelt gemacht haben.

Der Streit zwischen Nicolas Puech und LVMH belebt eines der bedeutendsten Kapitel der französischen Luxusgeschichte neu.
Über die enormen Summen hinaus wirft der Fall grundlegende Fragen zu Familienführung, Vermögensverwaltung und der langjährigen Rivalität zweier legendärer Imperien auf. Diese Affäre wird die Luxuswelt sicherlich noch lange beschäftigen.