Ist Österreich wirklich auf dem Weg aus der Rezession ?

Österreich scheint nach zwei besonders schwierigen Jahren einen allmählichen Ausstieg aus der Rezession einzuleiten. Laut den neuesten Daten des Wirtschaftsinstituts Wifo soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes im Jahr 2025 um 0,3 % wachsen und sich 2026 auf +1,1 % beschleunigen. Diese Erholung, wenn auch moderat, stützt sich hauptsächlich auf den privaten Konsum und die erwartete Senkung der Zinssätze.
Eine verlängerte Rezession: Ursachen und Folgen
Die österreichische Rezession dauerte fast drei Jahre – eine ungewöhnliche Situation in Westeuropa. Laut Stefan Schiman-Vukan, Ökonom bei Wifo, wurde der wirtschaftliche Abschwung durch den Energieschock von 2022 ausgelöst, der infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine entstand. Nordeuropa, Mittel- und Osteuropa waren am stärksten betroffen, während die Länder West- und Südeuropas dank ihrer geringeren Abhängigkeit von russischem Gas relativ verschont blieben.
Die Auswirkungen des Energieschocks auf Unternehmen und Haushalte
Der Anstieg der Energiepreise wirkte sich direkt auf den Arbeitsmarkt, die Produktionskosten und die Kaufkraft der Österreicher aus. Unternehmen sahen ihre Kosten steigen, einige reduzierten ihre Aktivitäten oder Investitionen, während Haushalte ihre Ausgaben anpassen und bestimmte Anschaffungen verschieben mussten. Diese Situation trug zu einer allgemeinen Abschwächung der Wirtschaft bei. Der Arbeitsmarkt bleibt deutlich von der Rezession geprägt.

Strukturelle Faktoren, die das Wachstum bremsen
Über den Energieschock hinaus belasten mehrere strukturelle Faktoren weiterhin die wirtschaftliche Erholung:
• Steigende Lohnkosten: Österreich verzeichnete einen schnelleren Lohnanstieg als die meisten europäischen Länder, was die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beeinträchtigt.
• Integration von Migranten: Die Eingliederung von Migrantinnen und Migranten in den Arbeitsmarkt bleibt eine Herausforderung.
• Teilnahme älterer Arbeitnehmer: Die Beschäftigung von Senior-Arbeitskräften bleibt begrenzt und reduziert das verfügbare Arbeitskräftepotenzial.
• Bildungssystem: Lücken in Ausbildung und Bildung behindern die Anpassungsfähigkeit der Arbeitskräfte an die Bedürfnisse des Marktes.
Laut Josef Baumgartner könnten diese strukturellen Herausforderungen das mittelfristige Wachstum begrenzen, falls keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Die mittelfristigen Perspektiven: ein Wachstum unter dem EU-Durchschnitt
Trotz der Erholung dürfte das österreichische Wachstum langfristig leicht unter dem der Eurozone bleiben, mit einem durchschnittlichen jährlichen Anstieg von 1,1 % bis 2030. Mehrere Faktoren erklären diese Dynamik:
• Hohe Energiekosten: Die Energiepreise dürften über dem europäischen Durchschnitt bleiben und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beeinträchtigen.
• Begrenzte öffentliche Investitionen: Der Rückgang der Ausgaben für Infrastruktur bremst das wirtschaftliche Wachstumspotenzial.
• Schwacher Außenhandel: Die geringe internationale Nachfrage und die amerikanischen Zölle belasten weiterhin die österreichischen Exporte, die traditionell ein Wachstumsmotor sind.
Parallel dazu bleibt das Haushaltsdefizit über den von der Europäischen Union festgelegten Grenzen, mit einer Prognose zwischen 4,2 und 4,3 % im Jahr 2025 und 3,9 bis 4,1 % im Jahr 2026, während die EU-Regel eine Obergrenze von 3 % vorsieht. Österreich kommt nur mühsam aus der Rezession heraus.

Die österreichische Wirtschaft beginnt eine vorsichtige Erholung nach mehreren Jahren der Rezession. Während der private Konsum und sinkende Zinssätze das BIP kurzfristig stützen, bremsen strukturelle Herausforderungen und hohe Energiekosten die mittel- bis langfristige Dynamik. Um diese Erholung zu festigen, sind gezielte Reformen in Bildung, Beschäftigung und Energiewende entscheidend. Österreich steht an einem Wendepunkt: Das Land kann diese Stabilisierungsphase nutzen, um seine wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit zu stärken und sein Wachstum an europäische Standards anzugleichen.